Einfach losphilosophieren – eine kleine Anleitung für euren Kita-Alltag
„Warum müssen Menschen eigentlich schlafen?“ – „Kann man gleichzeitig glücklich und traurig sein?“ – „Was ist gerecht?“
Kinder stellen Fragen, die zum Nachdenken anregen. Oft nehmen wir uns im Alltag nicht die Zeit, ihnen gemeinsam nachzugehen. Dabei ist Philosophieren mit Kindern viel einfacher, als es zunächst klingt. Ihr braucht keine besondere Vorbereitung, keine Materialien und auch keine fertigen Antworten. Es reicht, neugierig zu sein und euch auf die Gedanken der Kinder einzulassen.
Wir zeigen euch, wie ihr in fünf einfachen Schritten philosophische Gespräche in euren Alltag integrieren könnt.
- Eine Frage aufgreifen
Nutzt eine Frage, die ein Kind stellt, oder greift eine Alltagssituation auf. Das kann beim Spielen, Essen, Anziehen oder Spazierengehen passieren.
Beispiel: Zwei Kinder streiten um ein Spielzeug. Daraus könnte die Frage entstehen: „Was bedeutet es eigentlich, fair zu sein?“
- Gemeinsam nachdenken
Stellt eine offene Frage und gebt den Kindern Zeit zum Überlegen. Vermeidet Fragen, auf die es nur eine richtige Antwort gibt.
Zum Beispiel:
- „Was glaubt ihr, was gerecht ist?“
- „Kann etwas für ein Kind gerecht und für ein anderes ungerecht sein?“
- „Woran merkt man, dass jemand ein guter Freund ist?“
- Gedanken aufgreifen und weiterfragen
Hier beginnt das gemeinsame Philosophieren. Hört aufmerksam zu, greift Aussagen der Kinder auf und fragt nach:
- „Wie kommst du darauf?“
- „Kannst du das genauer erklären?“
- „Was denkt ihr anderen darüber?“
- „Könnte es auch anders sein?“
So entwickelt sich ein echter Dialog. Genau hier setzt Sustained Shared Thinking (SST) an: Ihr denkt gemeinsam mit den Kindern über einen längeren Gesprächsverlauf nach, greift ihre Ideen auf und entwickelt Gedanken weiter.
- Eigene Gedanken einbringen
Ihr müsst nicht neutral im Hintergrund bleiben. Bringt ruhig eigene Überlegungen ein: „Ich habe gerade einen anderen Gedanken. Was meint ihr dazu?“ Wichtig ist, dass ihr keine fertige Lösung vorgebt, sondern den Denkprozess gemeinsam offenhaltet.
- Das Gespräch wertschätzen – auch ohne Ergebnis
Nicht jedes Gespräch muss zu einer Lösung führen. Manchmal entstehen neue Fragen oder unterschiedliche Meinungen bleiben einfach nebeneinander stehen. Das ist völlig in Ordnung! Bedankt euch für die Gedanken der Kinder und lasst das Gespräch nachwirken.
Das Wichtigste: Übung macht den Dialog!
Vielleicht fühlt es sich am Anfang ungewohnt an, Fragen offen zu lassen und nicht sofort Antworten zu geben. Doch je öfter ihr euch darauf einlasst, desto selbstverständlicher wird es.
Ihr werdet merken: Philosophische Gespräche brauchen keinen zusätzlichen Programmpunkt. Sie entstehen mitten im Kita-Alltag – aus kleinen Fragen, überraschenden Ideen und echten Begegnungen.
Und das Schönste daran: Nicht nur die Kinder lernen dabei Neues. Auch ihr entdeckt immer wieder spannende Perspektiven und lernt die Gedankenwelt der Kinder besser kennen.
Traut euch, gemeinsam zu staunen, zu fragen und zu denken!