Mit Kindern philosophieren – Große Gedanken beginnen mit kleinen Fragen!
Warum ist der Himmel blau? Können Tiere glücklich sein? Und kann man mit jemandem befreundet sein, obwohl man sich manchmal streitet?
Kinder stellen täglich Fragen, die uns zum Nachdenken bringen. Oft stecken dahinter spannende philosophische Themen. Warum also nicht gemeinsam mit Kindern philosophieren? Dafür braucht es weder besondere Materialien noch viel Vorbereitungszeit. Vor allem braucht es Offenheit, Neugier und die Bereitschaft, sich auf die Gedanken der Kinder einzulassen.
Philosophieren bedeutet: gemeinsam denken statt Antworten vorgeben
Beim Philosophieren geht es nicht darum, Kindern die Welt zu erklären. Vielmehr schaffen wir Raum für eigene Gedanken, unterschiedliche Sichtweisen und neue Erkenntnisse. Kinder lernen, ihre Ideen auszudrücken, anderen zuzuhören, Fragen zu stellen und auch einmal ihre Meinung zu überdenken.
Das stärkt Sprachkompetenz, Selbstvertrauen, Empathie und kritisches Denken – wichtige Fähigkeiten für das ganze Leben.
Sustained Shared Thinking – gemeinsam auf Entdeckungsreise gehen
Ein besonders spannender Ansatz ist das Sustained Shared Thinking (SST), zu Deutsch etwa „gemeinsames, vertieftes Denken“. Dabei beschäftigen sich eine pädagogische Fachkraft und ein oder mehrere Kinder über einen längeren Gesprächsverlauf gemeinsam mit einer Frage oder einer Beobachtung. Alle Beteiligten bringen Gedanken ein, greifen Impulse auf und entwickeln gemeinsam neue Erkenntnisse.
Die Fachkraft übernimmt dabei nicht die Rolle der allwissenden Person, sondern wird zur aktiven Gesprächspartnerin auf Augenhöhe. Es entsteht ein gemeinsamer Denkprozess, bei dem auch die Gedanken der Erwachsenen weiterentwickelt werden dürfen.
Echte Dialoge sind leichter, als man denkt!
Das Schöne daran: Wir müssen dafür keine zusätzlichen Gesprächsrunden einplanen. Philosophische Dialoge und gemeinsames Nachdenken entstehen mitten im Alltag – beim Spielen, Essen, Anziehen oder auf dem Weg zum Spielplatz.
Ein paar Beispiele:
- „Was bedeutet es eigentlich, mutig zu sein?“
- „Warum müssen wir uns an Regeln halten?“
- „Kann man etwas wissen, ohne es selbst gesehen zu haben?“
Wichtig ist, offene Fragen zu stellen und kein bestimmtes Ergebnis zu erwarten. Greift die Gedanken der Kinder auf, fragt nach und bringt auch eigene Überlegungen ein.
Unser Tipp: Übung macht den Dialog!
Am Anfang fühlt es sich vielleicht ungewohnt an, nicht sofort Antworten zu geben oder Gespräche in eine bestimmte Richtung zu lenken. Doch mit etwas Übung wird es immer leichter. Traut euch, Fragen offen zu lassen, gemeinsam zu staunen und auch einmal keine Antwort zu haben.
Denn genau darin liegt die Chance: Kinder erleben, dass ihre Gedanken wichtig sind und Erwachsene wirklich an ihnen interessiert sind.
Philosophieren ist keine zusätzliche Aufgabe – es ist eine wertvolle Art, den Kita-Alltag gemeinsam zu gestalten.